Bundesverband Schilddrüsenkrebs - Ohne Schilddrüse leben e.V.
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Thema: [url=t24904] NCCN-Leitlinie (V 1.2015): Lenvatinib vor Sorafenib[/url].
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HaraldOffline
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Verfasst am: 21. Jul 2015, 14:00
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in den Link-Kategorien:
[url=l593NCCN-Guideline: Thyroid Carcinom Version 1.2019[/url].(130 clicks)
Die NCCN Clincal Practice Guidelnies in Oncology (NCCN Guidelines®)
Thyroid Carcinoma


werden von der National Comprehensive Cancer Network® (NCCN®) laufend aktualisiert.

Die Guidelinis sind frei für den individuellen Gebrauch zugänglich.
Man muss sich jedoch zuvor bei NCCN registrieren.

Die Guideline beschäftigt sich mit
  • Diagnostik des Knoten in der Schilddrüse
  • Papilläres Schilddrüsenkarzinom
  • Follikuläres Schilddrüsenkarzinom
  • Hürthle Cell Neoplasm
  • Medulläres Schilddrüsenkarzinom
  • Anaplastisches Schilddrüsenkarzinom


Die NCCN-Guidelines haben eine eigene Katgorisierung der Evidenz kombiniert mit der Einigkeit (Consensus) im Expertengremium:
  • 1: Empfehlung basiert auf hohem Evidenzniveau und es herrscht Einigkeit, dass die Intervention/Therapie angemessen ist.

  • 2A : Empfehlung basiert auf einem niedrigen Evidenzniveau und es herrscht Einigkeit, das die Internvention/Therapie angemessen ist.

  • 2B : Empfehlung basiert auf einem niedrigen Evidenzniveau und es herrscht ein (schwacher) Konsens, dass die Intervention/Therapie angemessen ist.

  • 3 : Kein Evidenzniveau und es herrscht Uneinigkeit, ob die Intervention/Therapie angemessen ist.


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Hallo,

während die neue Überarbeitung der amerikanischen Link innerhalb des Forums ATA-Leitlinie noch immer auf sich warten lässt, und die Link innerhalb des Forumsbritische Leitlinie Schilddüsenkrebs 2014 auch schon wieder ein Jahr alt ist, wird die amerikanische NCCN-Leitlinie laufend überarbeitet.
(siehe auch: Link innerhalb des Forums FAQ: Was ist eine Leitlinie? Was ist eine Richtlinie?)

Die NCCN-Guideline wird von National Comprehensive Cancer Network® (NCCN®) herausgegeben, in der seit 2014 auch die für ihre nicht kommerzielle Ausrichtung berühmte Mayo Clinik Mitglied ist.

In der Version 1.2015 der Leitlinie in den Kapiteln zum fortgeschrittenen radiodrefraktären differenzierten Schilddrüsenkrebs spricht sich eine Mehrheit der Autoren der Leitlinie dafür aus, dass Lenvatinib der Vorzug vor Sorafenib gegeben werden soll, auf Grund des besseren Ansprechen/Rückgang der Tumorlast ("Response Rate") (PAP10; Anmerkung z).

Im Verweis zur zugehörigen Diskussion findet sich nur eine Auseinandersetzung darüber, dass die klassische Chemotherapie wie z.B. Doxorubicin nur eine minimale Wirkung beim differenzierten Schilddrüsenkrebs hat.

Die Tyrosinkinase-Inhibitoren hätten jedoch in Studien gezeigt, dass 50-60% der Patienten von diesen Substanzen profitieren durch eine teilweisen Rückgang der Tumormasse oder durch eine Stabilisierung der Krankheit für einen Zeitraum - für gewöhnlich - von 12 bis 24 Monate.

Ferner wird auf die schweren Nebenwirkungen eingegangen, die jedoch zu managen seien und zurückgehen bei Absetzung des Medikaments.

Anmerkung Harald: Es finden sich keine weiteren Ausführungen, warum Lenvatinib vor Sorafenib bevorzugt werden soll.

In den Studien findet sich folgende Angaben:
Anhand dieser Daten kann man zum einen davon ausgehen, dass die Patienten in der Lenvatinib-Studie bereits zu Beginn in einem fortgeschritteneren Stadium waren (Die Placebo-Gruppe im Lenvatinib hatte nur 3,6 Monate keinen Progress, während im Sorafenib-Arm die Zeit 5,8 Monate betrug).
Und obwohl vermutlich die Patienten in der Lenvatinib Studie in einem fortgeschritteneren Stadium waren wie die in der Sorafenib-Studie, zeigten, die Patienten mit Lenvatinib ein deutlich längeres progressionsfreies Überleben als die Patienten mit Sorafenib.

Das progressionsfreie Überleben ist allerdings nur eine Beschreibung der Krankheit und kein direkter patientenrelevanter Endpunkt, so dass diese Interpretation mit Vorsicht zu behandeln ist.

In einer Link innerhalb des ForumsÜbersichtsarbeit zur Therapie des differenzierten Schilddrüsenkrebs im deutschen Ärzteblatt (2015; 112(26)) sind die deutschen Autoren diesbezüglich noch zurückhaltender.

Viele Grüße
Harald

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Zuletzt bearbeitet von Harald am 08. Aug 2018, 12:32, insgesamt 2-mal bearbeitet

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mehcojOffline
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Verfasst am: 12. Okt 2015, 15:00
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Hallo zusammen,

habe wegen meiner nun aufgefallenen Lungen Rundherde am kommenden Mittwoch meinen ersten Termin in der Onkologie. Dies ist u.a. ein Beratungstermin zur Gabe von "Lenvatinib".

Kann mir jemand sagen, was hier in diesem Artikel unter "progressionsfreiem Überleben" verstanden wird?

Gruß Jochem

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HaraldOffline
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Verfasst am: 12. Okt 2015, 15:49
Danke! sagt : mehcoj
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Hallo Jochen,

mit "Progressionsfreiem Überleben" (engl. progression-free survival, PFS) versucht man in Studien festzustellen, welche Therapie besser ist.

Hierbei wird der Tumor bzw. die Metastasen zu Beginn der Therapie meist mit Hilfe eines CT (aber auch MRT oder Ultraschall) ausgemessen.

Unter "progressionsfreie Zeit" versteht man dann in der Regel die Zeit, in der die Tumore bzw. Metastasen nicht weiter wachsen bzw. nur gering (siehe dazu auch Glossar RECIST), aber auch schrumpfen der Tumore gehört zum progessionsfreien Überleben.

Das "Progressionsfreie Überleben" ist also die Zeit, in der der Tumor nicht weiter wächst.

Das Wort "Überleben" ist dabei etwas irritierend, da die aller meisten Patienten auch bei einem erneuten Wachstum des Tumors noch weiter leben.

Stirbt ein Patient, während einer Studie aus einem anderen Grund, dann geht dies auch in die Berechnung des "Progressionsfreien Überleben" ein (darum "Überleben").

Wichtig für das Verständnis auch: Auch das Progessionsfreie Leben ist ähnlich wie die Tumormarker im Blut nur ein Surrogatparameter für das eigentliche Ziel einer Therapie: das verlängern des Lebens ( = overall survival =OS = Gesamtüberleben).

Da es aus verschiedensten (ethischen, methodischen) Gründen manchmal sehr schwer ist, den Nutzen im Gesamtüberleben nachzuweisen, bedient man sich dem Progressionsfreien Überleben.

Hilfe dies weiter?

Viele Grüße
Harald

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mehcojOffline
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Verfasst am: 12. Okt 2015, 15:55
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Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort Harald!

Ich hatte sowas Ähnliches vermutet bzw. gehofft. Das Wort "Überleben" hat mich wirklich stark irritiert. Vielleicht sollte ich erstmal das Gespräch abwarten, bevor ich hier weiterlesen. Im Moment mache ich mich wohl eher verrückt.

Viele Grüße Jochem

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HaraldOffline
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Verfasst am: 30. Aug 2016, 12:41
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Hallo,

in der aktualisierten Version der Leitlinie NCCN-Leitlinie (V 1.2016) wurde die Fußnotentext bezüglich der Bevorzugung von Lenvatinib vor Sorafenib wieder gestrichen.
Welcher TKI zu erst angewendet werden soll, soll individuelle bezogen auf den Patienten entschieden werden, wie er vermutlich auf die Nebenwirkungen reagiert.


Im Diskussionsteil der NCCN-Leitlinie (V 1.2016) wird auf Seite 83 drückt das Leitlininegremium aber immer noch sein Gefühl aus, dass Lenvatinib bevorzugt werden solle, da die Response Rate (Der Anteil der Patienten die auf die Therapie ansprechen) bei Lenvatinib mit 65% besser ist als bei Sorafenib mit 12%.

Viele Grüße
Harald

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